Telepolis: Die Geek-Autismus-Connection
Geniale Autisten bestimmen die High-Tech-Welt
Hannover, 26. März 2002 - Menschen mit autistischen Zügen
entpuppen sich als die eigentlichen Helden unserer von
Computern dirigierten Welt, schreibt das Online-Magazin
Telepolis in seinem aktuellen Artikel
"Die Geek-Autismus-Connection".
Sie fühlen sich oft als Außerirdische auf fremden Planeten,
empfinden Blickkontakt und Körpersprache anderer als bedrohlich
und gelten als exzentrische Spinner, pedantische Stoffel oder
realitätsfremde Einzelgänger - Menschen mit dem Asperger-Syndrom,
einer leichten Form des Autismus. Aspies, wie sie sich selbst
nennen, verfügen meist über eine gute Sprachbegabung, sind
überdurchschnittlich intelligent und gehen häufig technischen
Interessen nach - und das in obsessiver Weise.
Die Zahl der autistischen Patienten hat sich in den letzten
acht Jahren in Kaliformien mehr als verdreifacht, auch die
Anzahl der leichteren Formen von Autismus soll letztes Jahr
um 55 Prozent zugenommen haben. Forscher sprechen von einer
Autismus-Epidemie. Eine der Hochburgen dürfte dann das Silicon
Valley sein, mutmaßt Telepolis-Redakteurin Michaela Simon in
ihrem Artikel.
Oft bleibt Asperger, oder abgekürzt AS, undiagnostiziert.
Aspies können in der Arbeitswelt Nischen finden, in denen sie
gut zurecht kommen. Mehr noch, gewisse Attribute eines milden
Autismus können in Gesellschaften, in denen systematische
Intelligenz gut angeschrieben ist, durchaus als adaptiv gelten:
Zum Beispiel Bill Gates, der von vielen Autismus-Forschern
übereinstimmend als Aspie eingestuft wurde.
Zu einer anderen Zeit hätten Menschen mit dem Asperger-Syndrom,
das auch "little Professor Syndrome", "Geek-Syndrome" oder
"Nerd Syndrome" genannt wird, als Mönche gearbeitet und neue
Tinte für frühe Druckerpressen entwickelt. Heute jedoch verdienen
sie 150 000 Dollar im Jahr und pflanzen sich sehr erfolgreich fort,
weiß Bryna Siegel, Mitbegründerin der Stanford University Autism
clinic.
"Auch wenn nur wenige der Aspies über das Potenzial eines Einstein
verfügen, wir brauchen sie, denn Versuche, ‚normale' Menschen mit
ihren Tugenden zu füttern, sind bislang immer fehlgeschlagen", meint
Autorin Michaela Simon. "Wobei sich die Frage aufdrängt, ob die
verführerische Omnipräsenz der Computer ihre Wesenszüge fördert und
was sie ohne Rechner täten?"
"Die Geek-Autismus-Connection"
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