Streitgespräch in c't: CDU und Chaos Computer Club
"Rechtsradikale Propaganda ist nützlich"
Hannover, 22. September - Thomas Heilmann,
CDU-Internetsprecher, und Andy Müller-Maguhn,
Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), streiten
in der aktuellen Ausgabe 20/2000 des Computermagazins c't
über den Umgang mit rechtsradikalen Inhalten
im Internet.
Heilmann ist nicht für eine uneingeschränkte
Meinungsfreiheit im Internet. In Ermangelung
besserer Alternativen sieht er mögliche Abhilfe
in freiwillig zu installierenden Filtersystemen
wie dem der Internet Content Rating Association
(ICRA). Mit ihrer Gatekeeper-Kampagne wirbt die
CDU für das Prinzip der freiwilligen Selbstkontrolle
der Inhalteanbieter. Dennoch wendet sich Heilmann
gegen Zwangsfilterung, wenngleich er sie bei
Internetzugängen an Schulen befürwortet. "Freiheit
braucht Schutz; das Internet muss vor Missbrauch
geschützt werden", so der CDU-Internetsprecher
in dem Gespräch. Rechtsradikale wie linksradikale
Propaganda gehöre verboten, wenn sie verfassungsfeindlich
sei. Das gelte ebenfalls für das Internet, wobei
das Problem bekannt sei, dass die deutsche Jurisdiktion
nicht ins Ausland reiche.
Andy Müller-Maguhn, CCC-Sprecher und Kandidat für
einen ICANN-Direktorenposten, plädiert hingegen
für ein filter- und repressionsfreies Netz: "Ohnehin
gibt es meiner Meinung nach gar keine schädlichen
Informationen. Auch rechtsradikale Propaganda ist
als Information nützlich. Sie verweist auf
gesellschaftliche Probleme, mit denen wir uns
auseinander setzen müssen." Man könne solche
Informationen nicht einfach ausblenden oder filtern.
Gefragt sei eine entsprechende Medienkompetenz.
Diese solle gefördert werden, anstelle zur Zensur
zu greifen. Schwarze Listen und Filter hält
Müller-Maguhn für sinnlos.
"Ich habe die Befürchtung, dass das Internet mehr
und mehr als Produkt oder Plattform für Werbetreibende
betrachtet wird", erklärt Müller-Maguhn. "Diese
Art, mit dem Medium umzugehen, nämlich die
gesellschaftswiderspiegelnde Funktion zu deaktivieren,
halte ich für falsch."
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen c't-Ausgabe 20/2000 steht zum Download bereit unter
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