Technology Review über technische Evakuierungsassistenten
Software soll Massenpanik verhindern

Hannover, 27. Juli 2010 - Mathematiker, Informatiker
und Ingenieure arbeiten gemeinsam mit Vertretern von
Feuerwehr und Polizei an computergestützten
Evakuierungssystemen. Die Software soll mögliche
Staupunkte von Menschenströmen vorausberechnen und
Umleitungsvorschläge machen, schreibt Technology Review
in der August-Ausgabe.
"Hermes" oder "Repka" heißen die Projekte, mit denen
Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich oder
der Technischen Universität Kaiserslautern technische
Evakuierungsassistenten entwickeln. Sie sollen helfen,
Menschenströme sicher und vorausschauend durch Engpässe
zu lenken. Dafür errechnet eine Spezialsoftware aus
Gebäudeplan, aktuellen Informationen über Verteilung
und Bewegung der Menschen sowie über die momentane
Gefahrenlage den Verlauf der Personenströme für die
nächste Viertelstunde und weist auf kritische Stellen
hin. Unerwartete Ereignisse wie neue Hindernisse,
sich bildende Staus oder entgegenkommendes Rettungspersonal
sollen sofort in die Prognose mit einbezogen werden.
Heutzutage ist das Sicherheitspersonal diesbezüglich
ausschließlich auf sein Bauchgefühl angewiesen.
Die Software basiert auf theoretischen Modellen, die
beschreiben, wie sich Fußgänger auf Treppen, in Gängen
oder im Stau verhalten. Die typischen Bewegungs- und
Staumuster, etwa beim Einfädeln aus den Rängen in die
Gänge, ermittelten die Forscher in Feldversuchen mit
Video-Analysen. Das Verhalten von Fußgängern ist
schwieriger vorherzusagen als das von Autos, weil
sie spontan die Richtung ändern und sich nicht unbedingt
an Wege halten. Auch die Erfahrungen von Feuerwehr
und Polizei fließen in die Programme ein.
Das Ziel ist, durch die Kombination von aktuellen
Bewegungsdaten und Erfahrungswerten eine realitätsnahe
Vorhersage zu ermöglichen. Dafür müssen die Systeme bei
Massenveranstaltungen erprobt und adaptiert werden.
Ob sich dadurch Katastrophen wie die auf der Love
Parade in Duisburg verhindern lassen, ist jedoch fraglich.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review Ausgabe 8/2010
steht zum Download bereit.
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