Technology Review über Solarthermie-Anlagen
Sonnenenergie: Stirlingmotor erlebt Renaissance

Hannover, 27. Januar 2010 - Eine fast 200 Jahre alte
Erfindung soll solarthermischen Kraftwerken zu einem
unerreicht hohen Wirkungsgrad verhelfen: der Stirlingmotor.
Im heißen Südwesten der USA entstehen zurzeit zwei
Solarparks, in denen mithilfe von Stirlingmotoren
Sonnenwärme besonders effizient und kostengünstig in
Strom umgewandelt wird, schreibt das Magazin Technology
Review in der Februar-Ausgabe.
Das US-Unternehmen Stirling Energy Systems (SES) will
64.000 Parabolschüsseln, so genannte "SunCatcher", in
zwei Solarparks aufstellen: In der Mojavewüste sollen
auf rund 33 Quadratkilometern 34.000 Schüsseln samt
Stirlingmotoren in Strom erzeugen, zunächst 500 Megawatt,
später weitere 350 Megawatt. Der zweite Park entsteht im
Hinterland von San Diego. Dort sollen ab Ende 2010 auf
26 Quadratkilometern Wüste nach und nach 30 000
Sun-Catcher-Systeme aufgestellt werden, die bei voller
Leistung 750 Megawatt - das entspricht etwa der Leistung
eines herkömmlichen Kohlekraftwerks - in das Netz von
San Diego Gas & Electric einspeisen.
Jede der zwölf Meter breiten Schüsseln ist mit einem eigenen
Stirlingmotor ausgestattet und erzeugt maximal etwa 25 Kilowatt.
In dem nach seinem Erfinder Robert Stirling benannten
Heißgasmotor wird ein Arbeitsgas wie Wasserstoff abwechselnd
erhitzt und gekühlt. So wird die Sonnenwärme zunächst in
mechanische und schließlich in nutzbare Elektroenergie
umgewandelt. Im Unterschied zu Verbrennungsmotoren ist
ein Stirling-Aggregat nicht auf bestimmte Brennstoffe
angewiesen. Wird das Arbeitsgas durch konzentriertes Sonnenlicht
erhitzt, produziert ein solches Aggregat nicht einmal Abgase.
Der Suncatcher wandelt 31 Prozent der einfallenden Sonnenenergie
in Strom - damit hat SES den seit 1984 geltenden Rekord für
solarthermische Stirlinganlagen von 29 Prozent gebrochen. Zum
Vergleich: Photovoltaik-Anlagen kommen auf maximal 20 Prozent
Wirkungsgrad, herkömmliche Solarthermie-Kraftwerke wie etwa
Parabolrinnen-Anlagen wandeln rund 15 Prozent der Sonnenenergie
in Strom um.
Ein weiterer Vorteil der Stirlinganlagen ist der geringe
Wasserverbrauch. Dank ihres geschlossenen Kreislaufs kommen sie
mit geringen Mengen des kostbaren Lebensmittels aus. Demgegenüber
müssen Solarkraftwerke mit Parabolrinnen je nach Kühlungsmethode
mit erheblich größeren Mengen Grundwasser versorgt werden. So
verbraucht eine 500-Megawatt-Anlage im Jahr 3,9 Millionen
Kubikmeter Wasser, eine gleich große Stirlinganlage jedoch nur
rund 27 000 Kubikmeter. Auch beim Strompreis will SES punkten:
Der Strom soll für 12 bis 15 US-Cent die Kilowattstunde erzeugt
werden, der Branchendurchschnitt liegt derzeit noch bei 20 Cent.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technologie-Review 2/2010
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