Technology Review über neue Gift-Analysemethoden
Bakterien als lebende Sensoren nur im Labor erlaubt

Hannover, 18. September 2008 – Umprogrammiert zu lebenden
Sensoren können Bakterien Giftstoffe billiger, schneller
und genauer als bisher eingesetzte Biosensoren nachweisen.
Doch für einen Einsatz solcher Sensor-Bakterien muss die
Rechtslage angepasst werden, schreibt das Technologiemagazin
Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 10/2008.
Bereits in den 90er-Jahren wurden erste bakterielle Sensoren
entwickelt. Ein Einsatz im großen Stil steht noch aus, denn
neben einer teuren Lagerung im tiefgefrorenen Zustand ist
die derzeitige rechtliche Situation ein Problem: „Die
Rechtslage in den meisten Ländern erlaubt aus
Sicherheitsgründen nur, genetisch modifizierte Mikroorganismen
im Labor einzusetzen“, erklärt der niederländische Mikrobiologe
Jan Roelof van der Meer von der Universität Lausanne. Es sei
aber höchste Zeit, Sensorbakterien als kostengünstige und
hochempfindliche Analysemethode freizugeben. Eines Tages,
so hofft auch Forscherkollege Shimshon Belkin von der
Hebräischen Universität Jerusalem, werden tragbare
Sensorsysteme mit leuchtenden Bakterien zu Standardausstattung
von Umweltanalytikern und Militärärzten gehören.
„Einen Schaltkreis für den Nachweis von Molekülen zu bauen
ist inzwischen ganz einfach“, sagt Jan Roelof van der Meer.
In die Bakterien wird ein Genschaltkreis eingefügt: Ein
sogenanntes Regulator-Gen bildet ein Protein, das an den
gesuchten (Gift-)Stoff bindet. Ist die gesuchte Substanz
in die Zelle eingedrungen, aktiviert das Protein das
Schalterelement. Nun kommt das Reporter-Gen, das als Signalgeber
dient. Dafür wird häufig das Luc-Gen des Leuchtkäfers genutzt,
das nach weiteren biochemischen Vorgängen Licht abgibt – mit
der Folge, dass das Bakterium leuchtet und somit das
Vorhandensein der gesuchten Substanz anzeigt. Es lässt sich
sogar die Konzentration des nachzuweisenden Stoffes bestimmen,
denn dieser Biolumineszenz-Effekt ist umso stärker, je höher
die Konzentration ist. Auf diesem Wege hat Jan Roelof van der
Meer etwa einen Arsen-Sensor für Trinkwasser entwickelt. In
Vietnam, wo viele Brunnen verseucht sind, erreichte der
Biosensor eine Nachweisempfindlichkeit von nur sieben
Mikrogramm Arsen pro Liter, der Grenzwert für noch trinkbares
Wasser liegt gemäß Weltgesundheitsorganisation bei zehn
Mikrogramm.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology-Review-Ausgabe 10/2008
steht zum Download bereit.
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