Technology Review über Feinkost aus dem Chemielabor
Molekularküche inspiriert Lebensmittelindustrie

Hannover, 18. September 2008 - Fisch-Eiscreme,
Lachs-Lakritz-Paste oder Stickstoff-Sorbet: Die
Koch-Avantgarde setzt auf das Wissen chemischer Prozesse
und spielt mit Geschmäcken und Konsistenzen. Was
bislang Starköche nur gut betuchten Gästen servierten,
findet sich immer öfter auf den Büfetts der
Event-Gastronomie. Catering-Unternehmen haben in der
Molekularküche eine lukrative Nische entdeckt, schreibt
das Technologiemagazin Technology Review in seiner
aktuellen Ausgabe 10/08.
Kochen ist Wissenschaft: Die Grundlage für kreative
Rezepturen ist ein seit den neunziger Jahren rapide
gewachsenes Wissen um Chemie und Physik des Kochens.
Was biochemisch und physikalisch abläuft, wenn man
Lebensmittel brät oder mit Stickstoff aufschäumt, wie
man Geschmack, Konsistenz und Aussehen durch
physikalisch-chemische Prozesse verändern kann, steht im
Mittelpunkt der durchaus umstrittenen Molekularküche.
Dabei werden Sinnesempfindungen und optische Erwartungen
an Lebensmittel und Gerichte schon einmal auf den Kopf
gestellt.
Doch nicht nur Starköche greifen immer häufiger zu
Spritzpistole und Pipette. Das Technologie Transfer
Zentrum Bremerhaven, das sich seit 1987 mit
Lebensmitteltechnologie beschäftigt, stellt in der
Branche "ein zunehmendes Interesse und eine große
Offenheit gegenüber diesem Thema" fest. So tischt das
Feinkost-Unternehmen Deutsche See, das sowohl den
Einzelhandel als auch Gastronomie und Caterer beliefert,
am kalten Büfett molekulare Küche auf. Häppchen wie
der Arctic-Rose-Lutscher oder die Makrele-Lardo-Rolle,
die mit einer Rauchfolie aus dem aus Algen gewonnenen
Texturgeber Carrageen versiegelt wurde, sollen den
guten alten Räucherlachs ablösen und gleichzeitig dessen
leicht angestaubtes Image verbessern.
Auch im Nestlé-Forschungslabor beschäftigt man sich mit
der molekularen Beschaffenheit von Lebensmitteln.
Jüngst hat man Schokolade ganz ohne Kakao, dafür mit
sprühgetrockneten Tomaten kreiert. Das Resultat ist
verblüffend: Es schmilzt wie Schokolade im Mund, schmeckt
aber wie Tomatensoße. Auch wenn Nestlé derzeit keine
Pläne hat, diese besondere Schoko-Variante zu produzieren,
ist Nestlé-Physiker Johan Ubbink sicher, dass sich
"Essen kontinuierlich weiterentwickelt. Irgendwann hat
schließlich auch mal jemand die Mayonnaise erfunden."
Technology Review hat in der Jubiläums-Ausgabe auf der
beiliegenden Heft-DVD mehr als 200 Rezepte für molekulares
Kochen zusammengefasst.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology-Review-Ausgabe 10/2008
steht zum Download bereit.
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