Auto-Branchenexperte Ralf Kalmbach im Interview mit Technology Review
„Chrysler wird verschwinden“

Hannover, 19. August 2008 – In 10 bis 20 Jahren werden ein
indischer und zwei chinesische Autobauer neben Toyota,
Hyundai Kia, Volkswagen, GM und Ford zu den dominierenden
Herstellern der Welt gehören. „Chrysler wird verschwunden
sein“, sagt Branchenkenner Ralf Kalmbach von der Unternehmensberatung
Roland Berger dem Technologiemagazin Technology Review in
seiner aktuellen Ausgabe 9/2008.
Mit dem Eintritt von Herstellern aus Entwicklungsländern
in den Automobilbau hat sich die Branche grundlegend verändert.
Der indische Autohersteller Tata zeigt mit seinem Nano, dass
ein Auto mit überschaubarer Grundfunktionalität und wenig
Komfort nur 1700 Euro kosten muss. Produktionskosten spart
Hersteller Tata etwa, indem er einfache Technik einsetzt und
die Komponenten nutzt, die Zulieferer bereits entwickelt haben.
Auch bei der Sicherheit gibt es große Abstriche. „Ein Tata Nano
ersetzt ja nicht einen VW Polo, sondern ein Zwei- oder Dreirad.
Der Sicherheitsgewinn für den Kunden ist trotz der einfacheren
Technik enorm“, argumentiert Ralf Kalmbach.
Die Kosteneffizienz des indischen Herstellers hat Konsequenzen
für die etablierte Autoindustrie. Denn schon jetzt sind viele Kunden
nicht mehr bereit, viel Geld für ein Auto zu zahlen. „In der
Vergangenheit wurden zwar die Zulieferer geknebelt, aber der
Gesamtprozess nicht optimiert. Jetzt können die etablierten Hersteller
von den Billigproduzenten lernen, dass sie nicht mehr alles neu
machen müssen – stattdessen können sie Standards übernehmen und
dort Ressourcen einsparen, wo ohnehin ein Zulieferer die Entwicklung
macht.“
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology-Review-Ausgabe 9/2008
steht zum Download bereit.
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