Technology Review im Interview mit KfW-Preisträger
"Energieeinsparverordnung basiert auf Denkfehler"

Hannover, den 25. Juli 2007 - Die in der
Energieeinsparverordnung festgelegten Grenzwerte für
den Wärmedurchgang bei Gebäuden dienen hauptsächlich
als Verkaufshilfe für die Dämmstoffindustrie. Diese
Meinung vertritt der Architekt Christoph Schwan in
der aktuellen Ausgabe 8/2007 des Technologiemagazins
Technology Review.
Wer heute baut, achtet auf gute Wärmedämmung, wie sie
die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorschreibt. Doch
für Christoph Schwan, Architekt und Träger des zweiten
Preises beim Award der KfW-Förderbank, ist das ein Irrweg:
"Der Denkfehler ist die Vorstellung, dass die im Gebäude
durch Heizung erzeugte Wärme das Bedürfnis hat, durch
Fenster und Wände ins Freie zu verschwinden. Aber die
Heizung ist ja nicht die einzige Energiequelle. Die
Umgebung strahlt auch ungeheure Energiemengen ab."
Insgesamt decke die EnEV nur zwei Prozent der gesamten
Energiebilanz eines Hauses ab.
Wer sich beim Bauen strikt an die Verordnung halte,
"landet damit zwangsläufig bei einer viel zu dicken
Dämmung", so Schwan weiter. Als Alternative hat er die
sogenannte Thermosfassade entwickelt: Ähnlich wie eine
Thermoskanne funktioniert sie mit einer reflektierenden
Fläche und evakuierten Luftschichten. Die TU Berlin hat
bei diesem Verfahren laut Schwan eine Energieeinsparung
von 56 Prozent gegenüber konventioneller Dämmung festgestellt
- wohingegen die Dämmstoffindustrie bislang "nicht einen
einzigen Nachweis über die energetische Wirksamkeit ihrer
Produkte" vorgelegt habe.
Nach einer neuen ISO-Norm müssen die Behörden mittlerweile
auch akzeptieren, wenn ein Bauherr die
Wärmedurchgangsvorschriften durch andere Methoden als
Dämmung erreicht. In der EnEV aber ist laut Schwan davon
noch keine Rede, sodass von den neuen Möglichkeiten nur
Leute profitieren könnten, die von der neuen Norm schon
wissen. In der jetzigen Situation seien die Baunormen
deshalb "eine einzige Verkaufshilfe für die
Dämmstoffindustrie".
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review 8/2007
steht zum Download bereit.
Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen
Sylke Wilde
Heise Medien Gruppe
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 [0] 511 5352-290
Telefax: +49 [0] 511 5352-563
sylke.wilde@heise-medien.de