Technology Review über neue Wege der Suchtbekämpfung
Impfstoffe gegen Drogenkonsum kommen

Hannover, 28. März 2007 - Mediziner forschen bereits
seit 30 Jahren an Impfstoffen gegen Drogensucht. Jetzt
geht es voran: Als erstes dürften Mittel gegen
Nikotin-Abhängigkeit auf den Markt kommen, berichtet
das Technologiemagazin Technology Review in der aktuellen
Ausgabe 04/07.
Erste Studien mit einem Anti-Nikotin-Impfstoff geben
Anlass zur Hoffnung: Jeder dritte Proband, der die höchste
Dosis des Mittels erhalten hatte, gab unaufgefordert das
Rauchen auf. In der Kontrollgruppe entschlossen sich nur
neun Prozent zu diesem Schritt. Für April werden die
Ergebnisse einer umfangreicheren Untersuchung mit 200
Patienten erwartet. Ebenso werten Forscher am Baylor
College of Medicine in Houston derzeit eine Studie mit
Kokain-Abhängigen aus. Auch hier zeigte sich bereits,
dass die Probanden ihren Konsum verringerten.
Die neuen Mittel wirken genauso wie etwa Grippeimpfstoffe:
Die Impfung regt das Immunsystem dazu an, Antikörper gegen
den Fremdstoff zu produzieren, die sich an ihn heften.
Dadurch kann er das Gehirn nicht erreichen, und das
erhoffte Hochgefühl bleibt aus - die Einnahme des Stoffes
verliert somit an Attraktivität. Damit dieses Prinzip
auch bei den relativ kleinen Drogenmolekülen funktioniert,
greifen die Wissenschaftler zu einem Trick: Sie verbinden
die Zielmoleküle zunächst mit größeren Proteinen. Erst
diese Konstrukte sind groß genug, um die gewünschte
Immunantwort auszulösen.
Eine weitere Möglichkeit liegt in der sogenannten passiven
Immunisierung. Hier werden Antikörper im Körper eines
Tieres produziert und nur die wirksamsten für die
Verabreichung an Menschen ausgewählt. Das Biotech-Unternehmen
Intervexion Therapeutics will im nächsten Jahr Tests mit
einer solchen Passivimpfung gegen Phencyclidin ("Angel Dust")
beginnen. Sein Gründer Michael Owens erhofft sich auf
längere Sicht Rundumimpfungen gegen mehrere Drogen und auch
die Möglichkeit, damit Überdosen zu behandeln.
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