Technology Review über den Kampf gegen das Altern
Jungbrunnen in Pillenform

Hannover, 29. September 2004 - In der Medizin setzt
sich eine spektakuläre Erkenntnis durch: Altern ist
kein unabwendbares Schicksal. Ernst zu nehmende
Forscher glauben daran, dass es schon bald die
erste Anti-Aging-Pille geben wird, schreibt das
Technologiemagazin Technology Review in der aktuellen
Ausgabe 10/04.
Mehrere Forschungsgruppen dies- und jenseits des
Atlantiks arbeiten an einer wissenschaftlichen
Revolution. Sie beginnen auf molekularer Ebene zu
verstehen, welche Veränderungen Ursache für den
scheinbar unausweichlichen Zerfall des Organismus
sind. "Der Prozess des Alterns ist veränderbar",
sagt Claudio Franceschi, einer der führenden
Altersforscher in Europa. Er will die Gene finden,
die Gesundheit im hohen Alter bescheren. "Der
menschlichen Lebenszeit ist prinzipiell keine
Grenze gesetzt", sagt gar Michael Rose, Professor
an der University of California in Irvine.
Der Optimismus der Forscher beruht auf einem uralten,
von der Evolution konservierten Überlebensprogramm:
Bei guter Nährstoffversorgung, aber verringerter
Kalorienaufnahme steigt nicht nur die durchschnittliche,
sondern auch die maximal erreichbare Lebensspanne.
Das Gen SIRT1 steht dabei im Mittelpunkt der Forschung.
Da es auf kleinste Veränderungen im Stoffwechsel reagiert,
liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um den lang
gesuchten Schalter handelt, der für das lange Leben bei
knapper Nahrung verantwortlich ist. Eine Substanz zu finden,
die den SIRT1-Schalter im Menschen beeinflusst, gilt als
das erklärte Ziel im wissenschaftlichen Wettstreit.
Einen ersten Wirkstoff dieser Art hat David Sinclair,
Forscher an der Harvard Medical School in Boston, identifiziert.
Die Substanz namens Resveratol kommt vor allem in Weintrauben
und Rotwein vor und wird in Pillenform auch schon im Internet
angeboten. Diese Präparate enthalten aber selten wirklich
das empfindliche Molekül, da es an der Luft sofort zerfällt.
Sinclair und andere Forscher fahnden inzwischen nach
weiteren Wirkstoffen, die den Wunsch nach Lebensverlängerung
erfüllen könnten. "Wenn es funktioniert, dann könnten wir
die ersten Medikamente in sieben bis zehn Jahren auf den
Markt bringen", sagt Sinclair. "Und sie könnten die
Lebensspanne um bis zu 20 Jahre verlängern."
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 10/2004
steht zum Download bereit.
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