Technology Review über neue Trends in der Hirnforschung
DaimlerChrysler setzt auf Neuromarketing

Hannover, 29. September 2004 - Bei der Entwicklung
neuer Modelle setzt DaimlerChrysler verstärkt auf die
Hirnforschung. Dazu hat der Automobilkonzern ein Patent
auf ein "Verfahren zur Optimierung und Erfassung von
Produktattraktivität oder Produktakzeptanz" auf der
Grundlage von Gehirn-Scans angemeldet, so das
Technologiemagazin Technology Review in der aktuellen
Ausgabe 10/04.
Mit dem Blick ins Gehirn der Kunden liegt DaimlerChrysler
im Trend - und hat sich mit dem Patent womöglich einen
guten Teil dieses neuen Marktes gesichert. Die
Direktmessung der Hirnströme soll Ungenauigkeiten, die
bei bisher üblichen Testverfahren auftraten, ausschließen.
Auf diese Weise haben Neurowissenschaftler in den USA
bereits untersucht, warum die meisten Leute Coca-Cola
trinken, obwohl ihnen Pepsi-Cola besser schmeckt.
Hollywood-Studios setzen Neuromarketing ein, um die
unbewusste Wirkung von Filmtrailern zu testen.
Die Produktakzeptanz-Forscher von DaimlerChrysler
arbeiten beim Neuromarketing mit Henrik Walter,
Neuropsychiater am Universitätsklinikum Ulm, zusammen.
Unter dem Magnetresonanztomographen (fMRT), früher als
Kernspintomograph bekannt, wurden zwölf Männern Fotos
von Autos verschiedener Kategorien gezeigt - Kleinwagen,
Limousinen und Sportautos. Das Ergebnis: Beim Anblick
der Sportwagen leuchteten auf dem Bildschirm mehrere so
genannte Belohnungssysteme im Gehirn signifikant stärker
auf als bei den billigeren Modellen. In Zukunft will
DaimlerChrysler laut der Patentschrift die Hirn-Scanner
mit Design-Computern koppeln, die auf Grundlage der
Messung direkt Anpassungen an den gezeigten Modellen
vornehmen können.
Allerdings steht das Neuromarketing nach Einschätzung
von Experten erst am Anfang. Die Verfahren der
Computertomographie seien noch viel zu grob, um die
komplexen Hirnfunktionen wirklich aufzuschlüsseln.
Umstritten sind auch die weit reichenden Schlussfolgerungen,
die aus Hirn-Scans geschlossen werden. "Es besteht die
Gefahr, dass eine unausgegorene Technologie unhinterfragt
in die Praxis sickert", stellt Technology Review-Chefredakteur
Thomas Vašek fest.
Das neue Technologiemagazin Technology Review gibt Antworten
auf die Fragen: "Was können wir mit Technologie anfangen?" und
"Wo liegen die Chancen für die Zukunft?" Technology Review
bildet damit die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 10/2004
steht zum Download bereit.
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