Forscher wollen Treibhausgas in die Erde pumpen
Schutzhaft für Kohlendioxid

Hannover, 24. August 2004 - Im Kampf gegen das
Treibhausgas Kohlendioxid arbeiten Forscher an einem
ungewöhnlichen Plan: Das Gas soll in unterirdischen
Depots und in den Tiefen der Meere verschwinden. Das
könnte Kosteneinsparungen der Unternehmen und eine
Entschärfung des Treibhausproblems zur Folge haben.
Kritiker fürchten jedoch unvorhersehbare ökologische
Schäden, berichtet das Technologiemagazin Technology
Review in der aktuellen Ausgabe 9/04.
Auf einem Versuchsfeld mitten in Polen wollen Forscher
durch einen Bohrkanal in den kommenden Monaten mehr als
40 Tonnen Kohlendioxid in den Untergrund pressen, etwa
1200 Meter tief, bis zu einer Steinkohleschicht, in
deren feinen Poren sich das Gas festsetzen soll. In
diese so genannte Sequestrierung investiert die US-Regierung
jährlich knapp 50 Millionen Dollar. Die EU-Kommission
hat gerade erst mehr als 30 Millionen Euro für fünf neue
Projekte freigegeben. "Diese Technik ist gewiss keine
Dauerlösung", erläutert Astrid Dähn, Redakteurin bei
Technology Review. "Aber sie kann die Maßnahmen im
Kampf gegen das Klimagas Kohlendioxid sinnvoll ergänzen."
Den Klimakiller einfangen und wegschließen - das dürfte
besonders auch solche Unternehmen in der EU interessieren,
die sich ab nächstem Jahr mit Emissionsrechten auseinander
setzen müssen. Wer dann zu viel Kohlendioxid in die Luft
jagt, muss ein Bußgeld zahlen. Norwegen verlangt eine
Steuer für Kohlendioxid, das bei der Erdgasförderung
freigesetzt wird. 240 Millionen Dollar hat das Unternehmen
Statoil bereits gespart, indem es das Treibhausgas im
Sandstein unter der Nordsee versenkt hat. Eine kanadische
Ölgesellschaft pumpt derweil Kohlendioxid in still gelegte
Bohrlöcher, wo es sich mit Ölresten vermischt und das
Volumen des Rohöls vergrößert und den Förderdruck erhöht.
Kritiker der Sequstrierung befürchten allerdings ein
neues Atomproblem. Sie sprechen von einem gigantischen
Geoexperiment mit unabsehbaren Folgen. Besonders problematisch
sei die Sicherung der Gas-Depots. Eindringlich warnen
sie vor Plänen, Kohlendioxid auch in Meeren zu versenken -
das sensible ökologische Gleichgewicht der Ozeane könnte
empfindlich gestört werden. (asd)
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 9/2004
steht zum Download bereit.
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