Technology Review über Doping mittels Gentechnik
Ab 2006 ist mit Gen-Doping zu rechnen

Hannover, 28. Juli 2004 - Schon jetzt hecheln Kontrolleure
den immer raffinierteren Doping-Methoden der Profi-Sportler
regelmäßig hinterher. Künftige Athleten können auch
mit den Werkzeugen der Gentechnik auf Sieg programmiert
werden, schreibt das Technologiemagazin Technology Review
in der aktuellen Ausgabe 8/04.
Je genauer Forscher die Maschine Mensch verstehen,
desto mehr Ansatzpunkte für Doping-Mittel werden
erkennbar. Kein Wirkstoff hat den Profisport in den
letzten Jahren mehr verändert als das Nierenhormon
Erythropoietin, kurz: Epo. Bei richtiger Dosierung
sowie gutem Timing bleibt es unerkannt und steigert
Leistungsfähigkeit sowie Ausdauer enorm. Bis zu Beginn
der 1990er Jahre konnten auch saubere Fahrer bei den
großen Radrennen um den Sieg mitfahren. Heute gelten
nur noch wenige Radprofis als wirklich "clean".
Das Gen, das Epo kodiert, ist bereits bekannt und in Viren
verpackt an Affen getestet worden. Mittlerweile spritzten
Ärzte es auch schon per Virus in menschliche Haut, die
auf Mäuse gepflanzt wurde. Vor das Epo-Gen hängten sie
noch eine Art Schalter: ein Regulatorgen, das man mit
einer speziellen Hautcreme aktivieren kann. Wenn die
Wirkung der Salbe verfliegt, stellt auch das Epo-Gen
seine Tätigkeit ein. Ein Betrugsversuch nach diesem Prinzip
wäre einem Sportler kaum nachzuweisen.
"Noch ist Gen-Doping zu kompliziert und unkalkulierbar
für die Athleten und ihre Betreuer", meint Muskelforscher
Bengt Saltin, Leiter des Kopenhagener Muskelforschungszentrum
im Gespräch mit Technology Review, "aber für die Olympischen
Winterspiele 2006 können wir damit rechnen." Allerdings
ist neben dem Epo-Gen nicht einmal eine Hand voll weiterer
Erbfaktoren bekannt, die direkten Einfluss auf die
körperliche Leistung haben. (toh)
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 8/2004
steht zum Download bereit.
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