Technology Review über das Hightech-System Automobil
Autobauer orientieren sich am Flugzeug

Hannover, 23. Juni 2004 - Die Computertechnologie gilt
als Innovationstreiber in der Autobranche. Obwohl immer
mehr Elektronik und Software im Auto die Fehleranfälligkeit
erhöhen, setzen die Entwickler auf technologische Konsequenz.
Zentralrechner wie im Flugzeug sollen die Vielzahl von
Steuergeräten ersetzen und helfen, der Komplexität Herr
zu werden, schreibt das Technologiemagazin Technology
Review in der Ausgabe 7/04.
Seit Elektronikprobleme Millionen kosten und wirtschaftliche
Dimensionen erreicht haben, ist die Beherrschung der
Komplexität das aktuelle Thema in den Vorstandsetagen
der Autohersteller. In der größten Rückrufaktion der
Firmengeschichte musste jüngst Mercedes 680.000 Fahrzeuge
der E-Klasse wegen Problemen mit der elektrohydraulischen
Bremse SBC in die Werkstatt zurückordern.
Da die Hersteller die Komplexität in ihren Autos nicht
zurückfahren können, wollen sie mit drei Strategien die
Elektronikprobleme in den Pannenstatistiken eindämmen:
Zum einen mit Software-Standards, offenen Schnittstellen
und mehr Kompatibilität, um so das Zusammenspiel von
Hardware und Software unterschiedlicher Hersteller zu
verbessern. Zum anderen mit der zeitgesteuerten
Datenkommunikation. Zeitgesteuerte Bussysteme sollen im
Auto dafür sorgen, dass es zu keinen Datenkollisionen
kommt oder Informationen wegen Überlastung verloren gehen
bzw. mehrfach verschickt werden. Der dritte Lösungsansatz
ist die zentrale Steuerung der gesamten Elektronik: Statt
einer unübersichtlichen Vielzahl von unterschiedlichen
Steuergeräten, bedient man nur einen redundant ausgelegten
Zentralrechner, der das ganze Fahrzeug managt.
Zwar gelten die X-by-wire-Konzepte - wie Technology
Review berichtet - momentan als ausgesetzt, aber langfristig
werden sich Konzepte wie das EU-Projekt PEIT (Powertrain
Equipped with Intelligent Technologies) durchsetzen.
Nach dem Vorbild Airbus entwickelt ein Konsortium unter
Führung von DaimlerChrysler derzeit ein visionäres
Konzept für einen integrierten Antriebsstrang in
Nutzfahrzeugen. Bei dem Projekt, das im September
dieses Jahres abgeschlossen sein wird, aktiviert der
Fahrer mit seinem "Bewegungswunsch" ein Drive-by-wire-Modul,
das unter anderem aus steer-by-wire (elektronische Lenkung)
und brake-by-wire (elektronische Bremse) besteht. Die
Konsequenz ist die völlige Entkopplung von Fahrer und
Antriebsstrang. In Kombination mit intelligenten
Fahrerassistenzsystemen sollen Konzepte wie PEIT das
Automobil der Zukunft neu definieren.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 7/2004
steht zum Download bereit.
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