Technology Review über flüssiges Erdgas als Alternative
Flüssiges Erdgas in Tiefkühltankern ersetzt Öl

Hannover, 22. Juni 2004 - Weil Öl immer teurer und
irgendwann auch knapp wird, wachsen die Bemühungen
um einen weltweiten Gasmarkt. Unabhängigkeit von der
Pipeline und eine Flexibilisierung des Handels verspricht
ein Comeback der Technologie "Liquefied Natural Gas",
so das Technologiemagazin Technology Review in der
Ausgabe 7/04.
Die Ruhrgas AG, Tochter des Energieversorgers E.On,
plant den Bau des ersten deutschen Terminals für
Flüssigerdgas in Wilhelmshaven. "Wir stehen in Kontakt
mit potenziellen Lieferanten", sagte der Leiter der
Terminal-Projektgesellschaft, Eberhard Lange, dem
Magazin. Sobald ein Liefervertrag unterzeichnet sei,
werde mit dem Bau begonnen. Die nötige Genehmigung
dafür liegt bereits seit den 80er Jahren vor. Damals
wurde das Projekt wegen gescheiterter Verhandlungen
mit Algerien und Nigeria nicht weiter verfolgt.
Zur Gewinnung von Liquefied Natural Gas (LNG) wird
Erdgas in Kühlanlagen an den Küsten der Gasexporteure
durch Tiefkühlung auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt.
Das Volumen schrumpft dabei ohne erhöhten Druck auf ein
Sechshundertstel. Das LNG wird in doppelwandigen Tankern
an die Küsten der Industrieländer verschifft, wo es wieder
verdampft und in Pipelines gespeist wird. Derzeit wird
Erdgas meist durch Pipelines geleitet, was nur über
vergleichsweise kurze Distanzen möglich ist und für einen
zersplitterten Markt gesorgt hat.
Mit dem Bau der Anlage in Wilhemshaven läge Ruhrgas im
weltweiten Trend: Ein Konsortium um Shell baut für die
Rekordsumme von zehn Milliarden Dollar eine Ölförderungs-
und LNG-Anlage in Sachalin, einer Insel vor der Ostküste
Russlands. ExxonMobil ist am Bau von zwei Terminals in
Katar beteiligt, die zusammen 15 Millionen Tonnen LNG
pro Jahr umschlagen sollen, und plant außerdem einen
weiteren LNG-Hafen am Golf von Mexiko. Schon heute sind
155 LNG-Tanker auf den Weltmeeren unterwegs, 55 weitere
im Bau.
Vor allem in den USA steht die Bevölkerung dem Bau neuer
Häfen skeptisch gegenüber. Das flüssige Gas ist geruchlos,
farblos, ungiftig und in flüssigem Zustand nicht explosiv.
Bei einem Tankerunglück würde LNG auf dem Wasser schwimmen
und verdampfen, dann allerdings als aggressives Treibhausgas
wirken. Gefährlich sind vor allem kleine Lecks: Ein
Gas-Luft-Gemisch explodiert beim kleinsten Funken.
Kritiker warnen zudem vor Terroranschlägen oder Unfällen
mit verheerenden Auswirkungen und mahnen, dass die Erdgasreserven
zwar länger reichen als die Ölbestände, aber letztlich auch
begrenzt sind. Denn bei Erdöl versiegen die Quellen allmählich,
bei Erdgas ist mit der Förderung unvermittelt Schluss -
nicht selten schneller als vorhergesagt.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 7/2004
steht zum Download bereit.
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