Technology Review über Trends in der Solartechnik
Deutsche Branche bleibt bei Siliziumzellen

Hannover, 26. Mai 2004 - Solarzellen aus Kunststoffen
oder Nanoröhrchen sind der neueste Schrei aus den Labors.
Doch ausgereift sind die Nischen-Technologien noch nicht.
Die Industrie in Deutschland setzt also weiter auf
Siliziumzellen, schreibt das Technologiemagazin
Technology Review in der aktuellen Ausgabe 6/04.
Photovoltaik boomt, obwohl im vergangenen Jahr nur
knapp 0,05 Prozent des deutschen Stroms mit Solarzellen
erzeugt wurden, so die Schätzung des Bundesverbandes
Solarindustrie. Von 1998 bis Ende 2003 hat sich die
installierte Leistung weltweit etwa vervierfacht,
in Deutschland sogar mehr als versiebenfacht. Das
imposante Wachstum liegt nicht in erster Linie am
technischen Fortschritt. Hauptmotor ist die staatliche
Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Es verpflichtet Energieversorger, Solarstrom zu
garantierten Preisen in ihr Netz einzuspeisen. Durch
die hohen Zwangskosten ist Solarstrom für sie allerdings
derzeit ein Minusgeschäft.
Die Hersteller von Solarzellen versuchen, die etablierten
Produktionsverfahren billiger zu machen oder den
Wirkungsgrad der einzelnen Zelle zu erhöhen, damit
Solarstrom wettbewerbsfähig wird. Photovoltaik bleibt
dabei ein mühsamer Kampf um Prozentpunkte. Theoretisch
kann eine Solarzelle aus Silizium bei normaler
Sonneneinstrahlung rund 30 Prozent der Lichtenergie
in elektrische Energie umwandeln. Die erste
Silizium-Zelle, vor 55 Jahren von den Bell Labs
vorgestellt, schaffte fast auf Anhieb 6 Prozent. Bis
1974 stieg der Anteil auf etwa 17 Prozent, heute erzielt
die beste Siliziumzelle im Labor einen Wirkungsgrad von
24 Prozent, von Forschern in aufwendiger Handarbeit
gefertigt. Die besten Solarzellen vom Fließband erreichen
19 Prozent, die daraus gebauten Module etwa 17 Prozent.
Dabei kostet jeder Prozentpunkt einige Jahre an Forschung
und Entwicklung.
Solarzellen aus Silizium dominieren bislang mit einem
Anteil von mehr als 90 Prozent den Markt. Die Branche
lebt dabei vom Abfall der Halbleiterindustrie, denn was
für einen Mikrochip nicht reicht, taugt oft noch für eine
Solarzelle. Wächst die Solarbranche jedoch weiter wie
bisher, benötigt sie bald eine eigene Siliziumproduktion.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review 06/2004
steht zum Download bereit.
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