Technology Review über risikoreiches Gehirn-Doping
Mit Psychopharmaka zu geistigen Höhenflügen

Hannover, 25. Mai 2004 - Immer mehr gesunde Menschen
nehmen Medikamente ein, um ihre Gedächtnisleistung zu
verbessern. In der aktuellen Ausgabe 6/04 veröffentlicht
das Technologiemagazin Technology Review ein Interview
mit der angesehenen Neuropsychologin Martha J. Farah.
Sie warnt vor einer künstlichen Optimierung des Gehirns
und fordert eine gesellschaftliche Diskussion über
mögliche Kontrollen und Richtlinien bei der Einnahme von
Psychopharmaka.
Pharmakologische Substanzen dienen heutzutage nicht mehr
nur zur Behandlung von Krankheiten, sondern verhelfen
immer mehr Menschen zu einer Steigerung ihrer natürlichen
Fähigkeiten. Mit Medikamenten wie Ritalin, das eigentlich
bei der Behandlung hyperaktiver Kinder zum Einsatz kommt,
pushen sich Gesunde zu geistiger Hochform. Sie steigern
ihre Konzentrationsfähigkeit und verbessern ihre
Gedächtnisleistung.
Martha J. Farah, Professorin für Psychologie an der
University of Pennsylvania, sieht die künstliche
Gedächtnissteigerung äußerst kritisch: "Möglicherweise
ist die normale Rate, mit der wir Dinge vergessen,
eigentlich ideal. Wenn wir sie steigern oder erhöhen,
dann verlieren wir vielleicht die Fähigkeit, aus
speziellen Erlebnissen allgemeine Prinzipien abzuleiten".
Auch die Risiken bei der Einnahme von Psychopharmaka
dürften ihrer Ansicht nach nicht leichtfertig außer Acht
gelassen werden: "Wenn wir Medikamente aus freier
Entscheidung einnehmen, dann ist die Toleranz gegenüber
unerwarteten Nebenwirkungen besonders gering."
Martha J. Farah macht deutlich, dass hier im Gegensatz
zur Schönheitschirurgie in einem weitaus komplexeren
System manipuliert wird, und zwar mit unabsehbaren Folgen.
So schließt sie vorzeitige Alterungsprozesse durch
regelmäßige Einnahme von Ritalin genauso wenig aus wie
Persönlichkeitsveränderungen.
"Ein wenig Müdigkeit und Konzentrationsschwäche können
auch ihr Gutes haben: Anstatt künstlich gesteigert einen
Zwölf-Stunden-Tag hinzulegen, geht man vielleicht vor acht
Uhr abends nach Hause und spielt mit seinen Kindern", meint
die Psychologie-Professorin.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review 06/2004
steht zum Download bereit.
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