Technology Review über die Zukunft der Windenergie
Windenergie: In den Mühlen der Bürokratie

Hannover, 16. März 2004 - Noch sind deutsche Anbieter führend
in der Windkraft-Branche. Ob das zukünftig so bleibt, hängt
nicht zuletzt von Verwaltung, Umweltschützern und Tourismusverbänden
ab, die die Windstromerzeugung auf dem Wasser massiv behindern,
schreibt das Technologiemagazin Technology Review in der Ausgabe 04/04.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 1991 hat der Windkraft-Branche
großen Auftrieb gegeben. Es schreibt vor, dass Versorger Strom
aus Windkraft abnehmen müssen. Neben Dänemark und den USA konnte
sich so Deutschland zum Technologieführer und weltgrößten
Absatzmarkt für Windanlagen entwickeln. Das Windkraftwunder vom
Festland soll sich jetzt auf See wiederholen und den nächsten
Innovationsschub auslösen. Das so genannte Offshore-Geschäft
gilt als größter Wachstumsmarkt für Windanlagen-Hersteller.
Zwei Konkurrenten liefern sich momentan ein Kopf-an-Kopf-Rennen
um den nächsten Rekord im Windanlagengeschäft: Repower mit
Hauptsitz in Hamburg und Multibrid in Bremerhaven. Beide
Unternehmen wollen die neue Rekordmarke fünf Megawatt Leistung
erreichen.
Korrodierende Seeluft, hohe Wellen und Packeis sind im
Offshore-Geschäft das eine Problem, deutsche Behörden,
Umweltschützer und Kurdirektoren das andere. Es herrscht
eine krasse Diskrepanz zwischen den öffentlichen Bekenntnissen
pro Windkraft und dem täglichen Kleinklein. Die Offshore-Pioniere
müssen nicht nur die Grenze vom Land zum Wasser überqueren,
sie müssen auch Bezirks-, Landes- und Bundesgrenzen überwinden.
Und dabei kriegen sie die volle Wucht der föderalen
Regulierungspraxis zu spüren.
Außerdem müssen die Windanlagenbetreiber Umweltschützer
überzeugen. Die Verbände Nabu und BUND befürchten, dass seltene
Seevögel von den Rotorblättern geschreddert und Schweinswale
vom Lärm gestört werden. "In Deutschland liegen Anträge für
ein Drittel der Meeresfläche vor, kein einziger Windpark ist
gebaut, und schon beschwört man die Umweltschäden von 25.000
Anlagen", sagt Georg Nehls, Gutachter bei der Umweltberatungs-Firma
Bioconsult.
Wenn das Offshore-Geschäft weiter ausgebremst wird, so die
Befürchtung, werden selbst vor Schleswig-Holstein und Niedersachsen
nur ausländische Anbieter zum Zuge kommen. Die Betreiber des
Windparks Butendiek, 34 Kilometer westlich von Sylt, haben
unlängst beschlossen, ihren Park mit Drei-Megawatt-Windrädern
der dänischen Vestats zu bestücken.
Der Heise Zeitschriften Verlag stellt vom 18. bis 24. März
auf der CeBIT in Hannover aus: Halle 5, Stand E 38 und Halle 11, Stand D10.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 4/2004
steht zum Download bereit.
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