Technology Review über Netzhaut-Implantate
Mikrochip als Sehhilfe für Blinde

Hannover, 20. Januar 2004 - Der Tübinger Medizinprofessor
Eberhart Zrenner entwickelt Netzhaut-Implan-tate, die
Blinden das Augenlicht zurückgeben sollen. Sein
erfolgreiches Retina-Implant-Projekt erreicht in diesem
Jahr die klinische Phase. Damit können die Sehprothesen
erstmals am Menschen getestet werden, schreibt das
Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen
Ausgabe 02/04.
Bislang hat der renommierte Mediziner Eberhart Zrenner
seine Sehprothesen nur an Tieren getestet. Doch in diesem
Jahr will er mit Versuchen am Menschen beginnen. Bei
Zrenners Experimenten werden ungefähr 1500 mikroskopisch
kleine Photodioden auf einem Chip zusammengefasst und in
die hintere Schicht der Netzhaut oder Retina eingepflanzt
Das ins Auge fallende Licht nutzt man zur Steuerung eines
elektrischen Reizstroms. Dieser lokale Reizstrom erzeugt
ein spezifisches Erregungsmuster auf der Netzhaut, das zu
verwertbaren Seheindrücken, zu einem Teilsehen, führen kann.
"Es wird nicht möglich sein, dass vollständig Blinde wie
Normalsichtige sehen, auf gar keinen Fall", sagt Zrenner
gegenüber Technology Review. "Das gesunde Auge kann eine
Million Bits pro Sekunde aufnehmen. Es ist Illusion zu glauben,
dass wir mit dem Retina-Implant-Projekt auch nur annähernd so
weit kommen werden." Das menschliche Auge ist so komplex wie
kaum ein anderes Organ des Menschen. Laut Zrenner sind 30 bis
60 Prozent aller Zellen im Hirn am Sehen beteiligt; man kann
16 Millionen Intensitätsunter-schiede sehen, aber nur 20
Grautöne erkennen. "Was jedoch schon ein Teilerfolg beim
Wiederherstellen des Sehvermögens für Blinde bedeutet, können
Normalsichtige gar nicht erfassen."
Zrenner und sein Team an der Universitätsaugenklinik in
Tübingen haben sich vor allem auf ungeklärte Erblindungen
spezialisiert, die alle Menschen treffen können. Als Probanden
für sein Implant-Projekt benötigt Zrenner Blinde, deren Sehnerv
und die neuronale Verschaltung vor dem Sehnerv noch erhalten
sein muss, sonst funktioniert die Weiterverarbeitung der
Lichtsignale nicht. In den nächsten Monaten bekommen acht
Patienten erstmals den neuen Chip implantiert. "Wir
implantieren erst, wenn auch der erste eine Chance hat,
danach wirklich zu sehen. Wenigstens Umrisse," sagt Zrenner.
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Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 2/2004
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