Technology Review über europäisches Satellitensystem
Europa will mit Galileo den USA Paroli bieten

Hannover, 28. Oktober 2003 - Mit Galileo, dem eigenen
Satellitensystem, tritt die Europäische Union in Konkurrenz
zum kostenlosen Global Positioning System (GPS). Eigentlich
will sie damit der Supermacht USA im Weltraum Paroli
bieten, schreibt das Technologiemagazin Technology Review
in seiner aktuellen Ausgabe 11/03.
Bis 2008 soll das aus 30 Satelliten bestehende europäische
Konkurrenzsystem installiert sein. Es sei genauer als GPS,
höchst rentabel und Garant für viele neue Arbeitsplätze.
Doch unter der Hand erfährt man, dass es für die vorgebrachten
Gründe gar nicht gebraucht wird. Die beschworene höhere
Genauigkeit ist für die meisten Privatnutzer genauso
unwichtig wie eine Zehn-Gramm-Anzeige bei einer Personenwaage.
Experten sind der Ansicht, dass die Ausgaben von 3,6 Milliarden
Euro nicht gerechtfertigt sind, und stellen zudem die
wirtschaftliche Rentabilität infrage. Das System soll
später von Lizenzeinnahmen leben. Warum aber Geld für
eine Leistung fließen soll, die keine Vorteile zum
kostenlosen GPS bietet, bleibt ein Rätsel. Die deutsche
Automobilindustrie sieht jedenfalls keinen Grund, sich
zu engagieren. Statt ihrer erhofften Beteiligung soll
jetzt angeblich China planen, das Projekt mit mehr als
200 Millionen Euro zu unterstützen.
Tatsächlich dürfte bei der Entscheidung für Galileo eher
eine Mischung aus europäischer Eitelkeit, Förderung der
eigenen Raumfahrt-Industrie und Sorge vor dem weiteren
Ausbau der US-Vormachtstellung den Ausschlag gegeben haben.
Auch eine militärische Nutzung von Galileo wird nicht
ausgeschlossen.
Ob Galileo zum transatlantischen Konflikt wird, steht aber
noch in den Sternen, denn für die Realisierung sind in der
EU die Verkehrsminister zuständig. Falls die europäischen
Amtskollegen so arbeiten wie der deutsche Transportchef
Manfred Stolpe, stehen die Chancen nicht schlecht, dass
das Projekt scheitert, so Technology Review. Denn das
Einzige, was bei der Lkw-Maut bislang wirklich reibungslos
funktioniert, ist das kostenlose GPS.
Technology Review
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Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology Review-Ausgabe 11/2003
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