Kein Platz für Afrikas Dörfer im Global Village
Schwarzer Kontinent bleibt Internet-Schlusslicht
Hannover, 9. November 1999 - Seit im September dieses
Jahres Somalia als letzter Staat Afrikas an das Internet
angeschlossen wurde, sehen Optimisten schon den Aufstieg
Afrikas im Informationszeitalter. Experten warnen jedoch,
dass der Siegeszug des Internet den Kontinent eher
zurückwerfen wird, berichtet Telepolis, Magazin der
Netzkultur unter http://heise.de/tp.
Afrika ist nicht nur der ärmste Kontinent, sondern auch der am
wenigsten vernetzte. Mittlerweile verfügt zwar jeder afrikanische
Staat über einen Provider, in elf Staaten gibt es flächendeckend
lokale Einwahlknoten, in weiteren zwölf Staaten können sich
Nutzer immerhin in größeren Städten zum Ortstarif einwählen.
Doch während in Nordamerika und Europa jeder vierte Einwohner
Zugang zum Netz hat, kommt in Afrika ein Nutzer auf 1500
Einwohner. 85 bis 90 Prozent der auf eine Million geschätzten
afrikanischen Internet-Nutzer wohnen zudem in der Republik
Südafrika. Lediglich 0,022 Prozent aller Seiten im World Wide
Web hatten 1998 ihren Host in Afrika. Kein Wunder bei
Internet-Kosten, die bei einem Zehntel des Einkommensniveaus
Europas um das Vier- bis Zwanzigfache höher sind.
Computerexperte John Perry Barlow hat eine überaus optimistische
Vision: Afrika könne das Industriezeitalter überspringen und
sich auf Computer und Kommunikation konzentrieren. Dabei
helfe die soziale Struktur Afrikas aus hunderten Mikrokulturen,
die der Beschaffenheit des Internet entspreche. Jörn Staby,
Online-Experte der namibischen Tageszeitung "The Namibian",
meint hingegen: "Es besteht die Gefahr, dass das Internet die
Kluft zwischen den Industrienationen und Afrika eher noch
vergrößert." Seiner Meinung nach verbreiten die neuen Statistiken
zu viel Optimismus.
Afrika begegnet auch beim Internet altbekannten Problemen:
mangelhafte Bildungssysteme, schlechte Infrastrukturen, die
Kluft zwischen Stadt und Land sowie wenig kompetente,
teilweise sogar korrupte Regierungen. Zudem gibt es größtenteils
kein Personal, das die erforderlichen Kenntnisse aufweist. Das
Internet entwickelt sich mit Innovationen wie E-Commerce
technisch weiter, und Afrika kann nicht Schritt halten.
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