Onlinemagazin ausgezeichnet
Telepolis erhält Preis für "Investigative Reporting"
Hannover/München, 6. Juli 2000 - Das Netzmagazin Telepolis (http://www.telepolis.de/tp)
erhält für seine Enfopol-Berichterstattung den Europäischen Preis für Online-
Journalismus der Medien-Konferenz Net-Media 2000 (http://www.net-media.co.uk/eolja/) in der Kategorie "Investigative Reporting".
Der Preis wird in verschiedenen Kategorien von einer Jury verliehen, deren
Mitglieder aus 15 europäischen Ländern kommen. Gesponsort wird der Preis unter
anderem von Reuters, News Network, AOL Europe und Chello. Verliehen wird der
Preis heute, 6. Juli 2000, in London, um 19.00 Uhr im Oliver Thompson Lecture
Theatre, City University, Northampton Square, London EC1.
Armin Medosch wird den Preis für die Redaktion entgegen nehmen. Medosch: "Wir
konnten nur deshalb so gut über Enfopol berichten, da verschiedene europäische
Journalisten und Gruppen wie die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch
und der österreichische Bürgerrechtsverein Quintessenz zusammen an dem Thema
arbeiteten."
Die freien Telepolis-Autorinnen und -Autoren Christiane Schulzki-Haddouti in
Deutschland, Erich Möchel in Österreich, Duncan Campbell in Großbritannien,
Jelle van Buren in den Niederlanden sowie die Telepolis-Redakteure Armin Medosch
in London und Florian Rötzer in München berichten seit 1998 über die geplante
europaweite Überwachung des Internet und anderer neuer Technologien.
Telepolis veröffentlichte erstmals im November 1998 diverse unter Verschluss
gehaltene Arbeitspapiere der Ratsarbeitsgruppe "Polizeiliche Zusammenarbeit",
die ihre Dokumente unter dem Kürzel Enfopol ("Enforcement Police") publiziert.
Die im Internet veröffentlichten Enfopol-Papiere sorgten bei europäischen
Datenschützern und Politikern, aber auch Bürgerrechtsorganisationen für
Aufsehen:
Der deutsche SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss warf Vertretern der
Bundesregierung vor, Dokumente zurückzuhalten und eine öffentliche Diskussion
des Vorhabens zu verhindern. "Mit bewussten Falschinformationen sogar gegenüber
Parlamentariern" würden die Eingriffsbefugnisse der Sicherheitsbehörden
unzumutbar ausgeweitet.
Im Mai 1999 vertagten die Innen- und Justizminister der Europäischen Union die
Entscheidung über eine entsprechende Ratsentschließung. Sie erklärten, dass die
Verschiebung nicht wegen sachlicher Vorbehalte erfolge, wolle man doch erst eine
öffentliche Diskussion in den Mitgliedsländern eröffnen. Das Thema sollte dann
erneut im Herbst auf die Agenda gesetzt werden.
Im Frühjahr diesen Jahres wurde ein internes Arbeitspapier der Arbeitsgruppe vom
18. Oktober 1999 bekannt, aus dem hervorging, dass überlegt werde, ob aufgrund
der negativen Presse die Mitgliedstaaten in Form einer Pressemitteilung
reagieren sollten: "Mehrere Delegationen mahnten hinsichtlich der Vorbereitung
einer Pressemitteilung zur Vorsicht und merkten an, dass dies eine
Kettenreaktion und weitere negative Presse in den Medien provozieren könne".
Telepolis-Redakteur Florian Rötzer bezeichnete dies "als Kompliment für unsere
Arbeit."
Bis heute sind keine weiteren Veröffentlichungen der Enfopol-Arbeitsgruppe
bekannt geworden, ebenfalls wurde keine Ratsentschließung verabschiedet. Dennoch
wurden im europäischen Rechtshilfeabkommen, über das Telepolis ebenfalls laufend
berichtete, die rechtlichen Voraussetzungen für das grenzüberschreitende Abhören
von Telekommunikation geschaffen, darunter auch Satellitentelefonie.
Mehr zum Thema Enfopol unter http://www.heise.de/tp/deutsch/special/enfo/default.html
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