IT auf dem Meeresgrund
Tiefseeroboter "Wally" revolutioniert Meeresforschung

Hannover, 15. Juni 2010 - Bislang konnten Tiefseeroboter
Meeresforschung nur von kostenintensiven Forschungsschiffen
aus betreiben. Der über das Internet steuerbare
Tiefseecrawler "Wally" eröffnet jetzt völlig neue
Perspektiven, schreibt das iX-Magazin in der
Juli-Ausgabe.
Drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt,
doch bislang reicht das Wissen über die Meere nur bis zu
einer Tiefe von hundert Metern. Zu langsame Rechner,
unzureichende Software- und Analysetools sowie zu geringe
Speicherkapazität erschwerten die Tiefseeforschung.
Um eine großflächige, durchgängige Beobachtung über Jahre
hinweg bemüht sich jetzt Tiefseeroboter Wally, der aufgrund
seines Aussehens und seiner Sammelleidenschaft nach der
Disney-Figur Wall-E benannt wurde. Der 275 kg schwere
Crawler bewegt sich auf dem Meeresgrund mit zwei
Kettenlaufwerken. Damit kann er sich vorwärts, rückwärts
und im Kreis bewegen. Ausgerüstet mit Sensoren,
Scheinwerfern und einer HD-Videokamera, die die Umgebung
im Winkel von 360 Grad erfasst, soll Wally zahlreiche
Daten sammeln. Anschließend werden die Informationen
über Temperatur, Druck, Strömung, Salzgehalt,
Methankonzentration und Trübungsgrad übers Internet an
das kanadische Forschungsinstitut an der University of
Victoria und den Rest der Welt geschickt.
Nach Kanada gehen die Informationen, weil Wally zum
kanadischen Forschungsprojekts NEPTUNE (North-East Pacific
Time-series Undersea Networked Experiments) gehört, das
bereits 2007 auf der Juan-de-Fuca-Platte - der kleinsten
der zwölf tektonischen Platten - ein großflächiges
Meeresobservatorium einrichtet. Das besteht aus einem
permanenten Netz an Sensoren und Messgeräten, die
kontinuierlich über 25 Jahre ozeanografische Daten liefern
sollen. Den Anfang machten 800 km Kabelstränge, in denen
sich Strom- und Datenleitungen befinden. Sie verbinden
inzwischen 220 unterseeische Messinstrumente und 11
stationäre Messplattformen in Tiefen zwischen 17 und
2660 Meter mit der Außenwelt. Acht Sensoren sind direkt
auf Wally installiert, weitere auf einem - vertikal
beweglichen - Vertical Profiler System.
"So wie das globale engmaschige Netz von Wetterstationen
die Meteorologie grundlegend verändert hat, will das
neue Informationsnetz der Meeresdatenerfassung die
Ozeanografie revolutionieren", sagt iX-Redakteurin
Susanne Nolte.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen iX-Ausgabe 7/2010
steht zum Download bereit.
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