Internet-Adressen oft durch Schlamperei blockiert
Domain-Datenbanken voller Karteileichen

Hannover, 17. Juni 2002 - Gute Domainnamen sind ein
knappes Gut, um das schon viele kostspielige juristische
Auseinandersetzungen geführt wurden. Doch schlampig
gepflegte Datenbanken der Provider blockieren zahlreiche
Domains und verhindern deren Wiederverwendung, so das
IT-Profimagazin iX in seiner aktuellen Ausgabe 7/2002.
Wer sich für die Übernahme einer bereits reservierten
Domain interessiert, sucht meist auf der dazugehörigen
Webseite den entsprechenden Kontakt oder schickt eine
Mail an typische Accounts wie "webmaster" oder "info".
Wenn aber weder Web noch Mail funktionieren, ist der
übliche Weg die Anfrage in der "Whois"-Datenbank des
zuständigen Network Information Center (NIC), im Fall
von .de-Domains des DENIC. Doch die kann zum Beginn einer
wahren Odyssee werden.
Wie Stichproben von iX unter der Top Level Domain ".de"
ergaben, sind oft Inhaber oder zuständige Provider
eingetragen, die es gar nicht mehr gibt, da es sich
zum Beispiel um längst aufgelöste Firmen handelt. Fatal
ist das vor allem für Interessenten, die einen Rechtsanspruch
auf den Domainnamen durchsetzen wollen, weil sie etwa über
einen gleichlautenden Markennamen verfügen. Denn für eine
entsprechende Vormerkung beim DENIC müssen sie sich in
einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem eingetragenen
Inhaber befinden - wenn es den aber nicht mehr gibt, ist
das unmöglich.
Dass dies keine Einzelfälle sind, bestätigten auf Nachfrage
große Internetprovider. Man schätzt dort, dass bei einem
Abgleich der Domain-Daten mit dem tatsächlichen Kundenbestand
sogar einige Hunderttausend .de-Domains frei werden könnten.
"Eine der Ursachen des Problems ist die unzureichende
Datenbank des DENIC, die nicht so viele Updates wie nötig
verkraftet", so iX-Internetspezialist Bert Ungerer. Zudem
sind offensichtlich die Gebühren zu niedrig, um die Provider
für die ausreichende Datenpflege zu motivieren: Nur sechs
Euro kostet es sie pro Jahr, eine Domain zu blockieren, für
die es vielleicht gar keinen Kunden mehr gibt. "Und so muss
sich der Anwender auf die mühsame Suche nach Inhabern oder
zuständigen Providern begeben, wenn er eine der vielen scheinbar
aufgegebenen Domains übernehmen will." (un)
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen iX-Ausgabe 07/2002
steht zum Download bereit.
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