Bundesjustizministerin Brigitte Zypries im heise online-Chat
Justizministerin: Arbeitsplätze durch Softwarepatente
Hannover, 28. Mai 2004 - Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries hat sich heute in einem Chat auf heise online den
kritischen Fragen von über 500 Teilnehmern zum Thema Europäische
Softwarepatent-Richtlinie gestellt (www.heise.de/chat).
Gegenüber zahlreichen Vorwürfen verteidigte sie die
Entscheidung der Bundesregierung, im EU-Wettbewerbsrat
Computer-Software künftig in der Europäischen Union
patentierbar zu machen.
"Das geistige Eigentum soll gerade dazu anregen, neues
zu entwickeln. In keinem Fall tritt ein Denkverbot
ein - allenfalls ein Schnelligkeitsgebot." Zypries verwies
darauf, dass Patente auf computerimplementierte Erfindungen
einen Nutzen für die Gesellschaft hätten, da sie dem Erfinder
eine Verwertungsmöglichkeit für sein geistiges Eigentum
garantiere. "Wir hoffen, dass die Arbeitslosigkeit sinkt
durch die Möglichkeit, auch Patente auf computerimplementierte
Erfindungen auf europaweit harmonisierter Rechtsgrundlage
zu erwerben", sagte die Ministerin im heise-online-Chat weiter.
Klagen über die hohen Kosten und den Verwaltungsaufwand
durch Softwarepatente konterte Zypries mit dem Verweis
darauf, dass eine Patenanmeldung lediglich 60 Euro kosten
würde. Im übrigen gebe es die kostenlose Möglichkeit,
im Zweifelsfall in den Datenbanken des Patentamtes
zu recherchieren.
Es gebe Patente für computerimplementierte Erfindungen
seit über 20 Jahren, sie seien bereits akzeptiert. Auf
die Frage, wie sie zu ihrer Aussage stehe, "keinesfalls
sollen die Patentierungsmöglichkeiten erweitert oder
gar den US-amerikanischen Verhältnissen angepasst werden",
sagte Frau Zypries: "Das sehe ich heute noch so. Der vom
Rat verabschiedete Text widerspricht dem nicht."
Der EU-Wettbewerbsrat hatte am 18. Mai beschlossen,
dass Computer-Software künftig in der Europäischen Union
patentiert werden kann. Der lange umstrittene Kompromiss
soll laut EU-Kommission garantieren, dass tatsächliche
Innovationen durch ein Patent geschützt werden und deren
Erfinder ihren gerechten Anteil an der Nutzung bekommen.
Allerdings sei auch gewährleistet, dass durch diese Patente
freie Entwickler in ihrer Arbeit nicht blockiert werden.
Deutschland hatte den von der Präsidentschaft vorgelegten
Text zunächst nicht akzeptiert. Daraufhin hatte es
Kompromissverhandlungen gegeben, "in deren Verlauf Deutschland
zentrale Punkte durchsetzen konnte, die die Anforderungen
an die Patentierung deutlich erhöhen", schrieb die Ministerin
in einem Gastbeitrag auf heise online:
www.heise.de/ct/aktuell/meldung/47462
Seit Januar 2001 bietet heise online seinen Usern in lockerer
Folge einstündige Diskussionsrunden zu computerbezogenen
Themen. c't- und iX-Redakteure diskutieren kontrovers mit
geladenen Experten. Mit sehr hohen Teilnehmerzahlen hat
sich die virtuelle Gesprächsrunde unter www.heise.de/chat
zu einem der populärsten Chat-Events im IT-Bereich in
Deutschland entwickelt.
Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen
Anja Reupke
Heise Medien Gruppe
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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