Kopfzerbrechen um den nächsten Zensus
Das Volk soll gezählt werden, aber keiner weiß wie
Hannover, 10. September 1999 - Obwohl die letzte
Volkszählung schon zwölf Jahre zurückliegt und die
deutsche Einigung den Bezugsrahmen einschneidend
veränderte, steht noch immer kein Termin für den
nächsten Zensus fest. Statistikexperten sind sich bisher
nicht einig über das Zählverfahren, berichtet das
Computermagazin c't in seiner aktuellen Ausgabe 19/99.
Eine Aktualisierung der demographischen Daten der
Bundesrepublik ist längst überfällig. Bei der letzten
Volkszählung 1987 stellte sich heraus, dass es eine Million
mehr Erwerbstätige und rund eine Million weniger
Wohnungen im Bundesgebiet gab als vorher angenommen. Die
Zahl der in der Bundesrepublik lebenden Ausländer musste
sogar um zwölf Prozent nach unten korrigiert werden.
Ursprünglich war die nächste Volkszählung im Rahmen eines
EU-weiten Zensus für 2001 vorgesehen. Auf Grund deutscher
Intervention kam innerhalb der EU jedoch nur eine nicht
rechtsverbindliche Leitlinie zustande. Die Bundesrepublik wird
für die gemeinschaftsweite Volks- und Wohnungszählung, die
vom 1.1. bis 31.5.2001 stattfindet, nur schon vorhandene Daten
liefern. Die Volkszählung ist auf die nächste Legislaturperiode
verschoben worden.
Zur Zeit findet jährlich ein Mikrozensus bei über einem
Prozent der Bevölkerung statt. Dieses Sampling setzt jedoch
eine zuverlässige Auswahlgrundlage voraus. Experten halten
für die Aktualisierung einen Rhythmus von zehn Jahren für das
Äußerste. Fachleute sind sich einig, dass ein konventioneller
Zensus mit Zählern, die von Haus zu Haus gehen, die besseren
Daten liefert. Allerdings ist das nach einhelliger Meinung nach
dem Debakel der letzten Volkszählung 1987 nicht durchsetzbar.
Eine Alternative stellt ein registergestützter Zensus dar, doch
niemand weiß so richtig, wie das funktioniert. Derzeit entwickelt
das Statistische Bundesamt Vorschläge für eine
Probeerhebung mit Eindeutigkeits- und Plausibilitätsprüfungen.
Die Daten dürfen nur für Vorbereitungsarbeiten
genutzt werden und sind spätestens am 31. Dezember 2001
zu löschen.
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Jürgen Kuri - c't-Redaktion
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