Intel resigniert vor Datenschützern
Farce um numerierte Pentium III
Hannover, 29. Januar 1999 - Die neuen
Pentium-III-Prozessoren, die im Februar vorgestellt werden, sollten sich
durch software-lesbare Seriennummern ausweisen und damit geschäftliche
Transaktionen sicherer machen. Doch Intel kapitulierte schnell vor der
Kritik von Datenschützern und änderte das Konzept. Damit wird der Nutzen
dieser Technik erst recht zweifelhaft.
Laut Intel soll die Seriennummer vornehmlich dazu dienen, die Lizenzierung
von Software zu vereinfachen und den ECommerce anzukurbeln, wie das Computermagazin c't in seiner Ausgabe 3/99 berichtet. Durch
die unveränderlichen Nummern schaffe man ein zusätzliches Mittel zur
Identifizierung von Computern und letztlich auch von deren Anwendern. Doch
das geht Datenschützern zu weit, denn auf diese Weise wäre es möglich, den
Surfer im Internet ständig zu beobachten.
Auf die massive Kritik reagierte der Prozessorhersteller zunächst mit dem
Hinweis, der Prozessorbefehl zum Lesen der Seriennummer könne vom Anwender
gesperrt werden. Er bleibe dann bis zum nächsten Rechnerstart zuverlässig
abgeschaltet. Mit dieser Zusicherung ließen sich die Kritiker allerdings
nicht beruhigen, so daß Intel sich zu einer Konzeptänderung genötigt sah:
Nun soll die Seriennummer nach dem Start stets durch ein Programm
automatisch abgeschaltet werden. Wer am ECommerce teilnehmen und die
Identifizierung zulassen will, muß sie vorher freischalten.
Damit ist der Mechanismus allerdings praktisch kaum noch nutzbar. Um die
Seriennummer für eine ECommerce-Transaktion lesbar zu machen, muß der
Anwender jeweils eine umständliche Prozedur ausführen: den PC
herunterfahren, ausschalten und wieder einschalten. Erst dann kann er das
Lesen der Seriennummer freigeben. Sie bleibt dann lesbar, bis der Anwender
sie wieder sperrt oder den PC das nächste Mal abschaltet.
Ein Hörfunkbeitrag zu diesem Thema und
O-Töne von c't-Redakteur Andreas Stiller
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