Softwarepiraterie
Aggressive Kampagne löst Empörung aus
Hannover, den 11. Juni 1997 - Mit einer konzertierten Aktion wollen die
großen Softwarehersteller den illegalen Softwareeinsatz eindämmen. So
erhielten 10 000 Firmen in Deutschland einen Brief von der Business
Software Alliance (BSA), dem internationalen Interessenverband zum Schutz
von Software, in dem sie aufgefordert wurden, ihren gesamten
Softwarebestand zu melden und auf Lizenzierung zu überprüfen.
Der äußerst rüde Ton des Mailings sorgte für Protest unter den Empfängern.
"Die Art und Weise, wie hier Computerbenutzer pauschal kriminalisiert
werden, halte ich für eine Frechheit," schrieb der Geschäftsführer einer
Betonbau-Firma an die Computerzeitschrift c't. In drastischer Weise wurden
in dem Anschreiben die Durchsuchung der Geschäftsräume ohne
Vorankündigung, hohe Schadensersatzforderungen, Gerichtskosten und
persönliche Strafverfolgung - bis zu fünf Jahre Gefängnis - in Aussicht
gestellt. Eine einfache Lösung des Problems hat die BSA auch parat:
Unterziehen Sie sich einer Überprüfung durch die BSA, indem Sie ihr die
gesamte in Ihrem Betrieb eingesetzte Software offenlegen.
Wer keine Raubkopien einsetze, habe nichts zu befürchten, so argumentiert
die Business Software Alliance und verteidigt das ungewöhnlich harsche
Mailing. Schließlich gingen der Software-Branche weltweit mehr als sechs
Milliarden Mark durch illegal eingesetzte Software verloren. Vor allem
kleine und mittelständische Betriebe hat die BSA als Hauptverursacher im
Visier.
Interessanterweise nutzten die Softwarehersteller für dieses Mailing ihre
eigene Kundendatenbank, wie die Firmensprecher von Microsoft, Novell und
Bentley gegenueber c't unverblümt zugaben. "Damit unterstellen die Firmen,
daß ihre eigenen Kunden allesamt potentielle Raubkopierer sind", so Detlef
Grell, Chefredakteur von c't.
"Anstatt die eigenen Kunden zu verärgern, wäre es sicher effizienter,
Raubkopieren unrentabel zu machen, etwa durch hochwertige
Service-Leistungen für registrierte Anwender. Überdies darf man die
eigenen Produkte nicht permanent durch Bundling-Aktionen entwerten: Wenn
ein Software-Paket, das regulär 500 Mark kostet, beim Kauf eines
350-DM-Druckers ohne Aufpreis mitgeliefert wird und dieser "verschenkten"
Version auf den ersten Blick nur die gedruckten Handbücher fehlen, dann
verlangt man von Otto-Normaluser reichlich viel, wenn er beim Kopieren
dieser Gratisbeilage ein entsprechendes Unrechtsbewußtsein entwickeln
soll."
Mehr dazu in der aktuellen c't 7/97.
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Detlef Grell (c't-Redaktion)
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