c't: Digitale Spaltung beim mobilen Fernsehen
Chaos beim kommenden Handy-TV

Hannover, 30. September 2005 - Die Bundesrepublik steuert
beim geplanten Handy-TV auf eine digitale Spaltung zu:
Während Süddeutschland auf die Übertragungstechnik für
das digitale Radio DAB setzt, treiben die norddeutschen
Bundesländer DVB-H voran. Die Systeme sind nicht miteinander
kompatibel und die Fans im Süden und Norden Deutschlands
werden unterschiedliche Geräte zum mobilen Empfang der
Fußball-WM benötigen, so das Computermgazin c't in der
aktuellen Ausgabe 21/05.
Wer mit dem Auto von Flensburg aus in die Alpen aufbricht,
findet die Medienwelt von Kiel über Hamburg bis hinter
Hannover in bester Ordnung: Die Kinder schauen Fernsehen
über ihr Handy oder den eingebauten TV-Empfänger im
Fahrzeug. Per DVB-H, der mobilen Variante des digitalen
terrestrischen Fernsehens DVB-T, kommt das Fernsehbild
auf das Display. In Süddeutschland jedoch sieht man
unterwegs per DMB fern, der multimedialen Variante des
Digitalradios DAB. Weder Handy noch Auto-TV empfangen
deren Programme - nach Passieren des Weißwurst-Äquators
unterhalten nur noch CD-Player und UKW-Radio.
Die Wirren um die Handy-TV-Technik gehen auf vor langer
Zeit gefällte Entscheidungen zurück, die regional
in unserem Land sehr unterschiedliche Entwicklungen
genommen haben. DAB als geplante digitale Ablösung
des UKW-Rundfunks ist als flächendeckende Versorgung
auch für schnell fahrende Autos und Züge konzipiert.
DVB-T indes soll nur Ballungsgebiete versorgen und
ist in der aktuellen Version nicht für Schnellfahrer
optimiert. DAB ist jedoch nur in Süddeutschland gut
ausgebaut, Empfangsgeräte sind aber immer noch wenig
verbreitet, die Klangunterschiede gegenüber UKW kaum
hörbar - und da keine UKW-Abschaltung festgeschrieben
wurde, ist der Anreiz für einen Umstieg auf DAB beim
Hörer gering. DVB-T-Receiver indes bringen die Fähigkeit
für den Digitalempfang von Radiosendern schon mit und
sind bereits deutlich weiter verbreitet als DAB-Geräte
- aber Radio per DVB-T wird dennoch nur zu Testzwecken
gesendet.
Eine verfahrene Situation, die sich nun beim Handy-TV
wieder findet. Die einen wittern durch DMB endlich
Morgenluft für DAB, die anderen favorisieren das
modernere DVB-H. Den entscheidenden Gremien gelang
keine Einigung auf nur ein System. So setzen sie
diesmal statt auf eine politische Weichenstellung auf
die "Selbstregulierung des Marktes" und lassen beide
Systeme konkurrierend auf Sendung gehen. Man habe da
auch keine Bedenken wegen der Anschaffungskosten für
die Hörer, weil die Ersatzzyklen von Handys ja so
rasant kurz seien. (roe)
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen c't-Ausgabe 21/2005
steht zum Download bereit.
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