Legende um Haenel-Handy
UMTS-Alternative entpuppt sich als Medien-Ente

Hannover, 11. August 2000 - Die Legende um die
Mobilfunkrevolution des Hildesheimer "Jugend forscht"-
Preisträgers Sascha Haenel ist eine Medien-Ente,
berichtet das Computermagazin c't in seiner aktuellen
Ausgabe 17/2000.
Gerade als die Versteigerung der UMTS-Lizenzen
begann, berichteten zahlreiche Medien, dass ein
Jugendlicher mit seiner Erfindung siebenfache
ISDN-Geschwindigkeiten im GSM-Mobilfunknetz
ermöglicht. Dabei hatte Haenel schon im Mai sein
System der sechsköpfigen Jury von "Jugend forscht"
demonstriert. Die Prüfer führten jedoch keine
eigenen Messungen zum effektiven Datendurchsatz
durch. Sie vertrauten vielmehr darauf, dass die
vorgeführten Displays und das Handy nicht intern
gesteuert werden.
Bisher gibt es keine aussagekräftigen Darstellungen,
wie das Verfahren zu der wundersamen Datenraten-
Vermehrungen auf die behaupteten 448 kBit/s im
herkömmlichen GSM-Netz kommen will. Das Konzept,
allein Gesprächspausen für die Übertragung der
Datenpakete zu nutzen, halten Experten für nicht
ausreichend.
Auch in der Eigendarstellung Haenels ist von
Sprechpausenausnutzung keine Rede. Nach seiner
Beschreibung handelt es sich um eine Kanalbündelung,
die eine oder mehrere Verbindungen zum Empfänger
über weitere Frequenzkanäle aufbaut. Sender und
Empfänger kommunizieren dann statt mit jeweils
einer Mobilstation über mehrere Handys im Tandembetrieb.
Nur schafft ein solcher Funk-Datenbus über mehrere
parallele Verbindungen keine zusätzlichen Ressourcen
im Netz. Jeder weitere zugeschaltete Kanal steht
anderen Teilnehmern nicht mehr zur Verfügung.
Wenn die Kosten der multiplen Verbindungen nicht
ohnehin abschrecken, würden die Haenel-Handys als
Hacker-Tools die GSM-Funkzellen schnell
zusammenbrechen lassen. Jede wirksame Kanalbündelung
hätte zur Folge, dass mehr Teilnehmer bei der
Einwahl in das Netz ein Besetztzeichen hören
würden. Kein Netzbetreiber kann an einer
derartigen Verschlechterung der Dienstequalität
interessiert sein.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen c't-Ausgabe 17/2000
steht zum Download bereit unter http://www.heise.de/presseinfo/bilder/ct/00/ct172000.jpg
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