Silvesterchaos der Berliner Feuerwehr kein ‚Unglück'
c't analysiert Zusammenbruch der Leitzentrale

Hannover, 16. Juni 2000 - In der Silvesternacht erlebte die
Leitstelle der Berliner Feuerwehr einen totalen Ausfall
sicherheitsrelevanter Rechner. Unglückliche Umstände
spielen dabei weniger eine Rolle als blindes Vertrauen und
Leichtfertigkeit im Umgang mit informationstechnischen
Systemen, so das Ergebnis einer Analyse des Computermagazins
c't in der aktuellen Ausgabe 13/2000.
Nach dem Ausfall des gesamten Feuerwehr-Informations-Systems
brach die Annahme der Notrufe zusammen. Außerdem wusste
die Einsatzleitung nicht mehr, wo in welcher Wache
welches Fahrzeug stand. Vielfach rückten gleich mehrere
Einheiten aus, die nichts voneinander wussten - an
einer Einsatzstelle trafen mehr als 20 Fahrzeuge ein.
Andernorts bemühte sich die Polizei, Brände mit
Wasserwerfern zu löschen. In einem Fall lag eine
Person beim Eintreffen schon eine Stunde leblos auf
dem Gehweg. Schließlich wurden Löschzüge und Rettungswagen
auf Streife geschickt, um nach Notfällen Ausschau zu
halten. Einer Katastrophe mit vielen Verletzten wären
die amtlichen Helfer in der Silvesternacht nicht gewachsen
gewesen.
Ein unabhängiges Gutachten gibt es bisher nicht. Der Berliner
Feuerwehrchef erklärte das Desaster in der Silvesternacht vor
dem Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung des Berliner
Abgeordnetenhauses als eine ‚Verkettung mehrerer unglücklicher
Umstände'. c't kommt jedoch nach Auswertung interner
Untersuchungsberichte und eingehender Analyse der Abläufe bei
der Feuerwehr zu einem ganz anderen Schluss.
Die Pannenliste beginnt schon bei der Konzeption und Vorgeschichte.
Die Software ist nie ordnungsgemäß und nachvollziehbar dokumentiert
worden, Zuständigkeiten im Bereich der Leitstellentechnik waren
entweder nicht klar festgelegt oder nicht konsequent beachtet
worden. "Der offizielle Bericht an den Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses verharmlost zahlreiche Mängel", erklärt
c't-Redakteur Jürgen Kuri. "Der darin verwendete Begriff ‚Verkettung
unglücklicher Umstände' ist eine Kapitulation vor der Komplexität
IT-gestützter Systeme."
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen c't-Ausgabe 13/2000 steht zum Download
bereit unter www.heise.de/presseinfo/bilder/ct/00/ct132000.jpg
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