Die Lehren aus ILOVEYOU
Vorsicht der Anwender ist einziger Schutz vor Viren
Hannover, 15. Juni 2000 - Gesundes Misstrauen und gute
Information bleibt auf absehbare Zeit der einzig wirksame
Schutz gegen Viren wie ILOVEYOU. Das Computermagazin
c't rät in seiner aktuellen Ausgabe 13/2000 allen
Anwendern, ihr persönliches Risiko abzuschätzen,
angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen und Vorsicht
walten zu lassen.
Ermöglicht wurde die Verbreitung des Virus vor allem durch
die Naivität vieler Anwender, die Mail-Attachments ohne
Nachdenken starteten. Dieses Verhalten ist jedoch gar nicht so
erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Internetprovider die
Vorteile des Internet zwar in den schillerndsten Farben
schildern, über Risiken und Nebenwirkungen aber schweigen.
Weitere begünstigende Faktoren waren der Komfort von
Microsoft Outlook, der das Öffnen von Attachments durch
simples Doppelklicken ermöglicht, und die Microsoft-Monokultur,
bei der der Virus auf fruchtbaren Boden fiel. Microsoft
opfert bei seinen Programmen Sicherheit zu Gunsten von
Bedienungskomfort. Trotzdem wäre ein derartiger Virus auch
unter anderen Betriebssystemen wie etwa Linux möglich. Alle
Software-Hersteller stehen letztlich vor einer Gratwanderung
zwischen Bevormundung des Anwenders durch zu strenge und
Gefährdung durch zu lasche Sicherheitsregeln.
Auch schärfere Gesetze würden nicht viel ändern. Erst ein
unfreies Internet, in dem eine Ermittlungsbehörde jeden Schritt
jedes Anwenders zurückverfolgen könnte, wäre ein sicheres
Internet. Eine wichtige Schutzmaßnahme gegen unerwünschte
Schädlinge aus dem Internet ist der konsequente Einsatz von
ständig aktualisierter Antiviren-Software. Doch gegen
ILOVEYOU hatte Software, die nach bekannten Viren fahndet,
keine Chance. Bei Mail-Viren liegen zwischen der ersten
Warnung und einer weltweiten Verseuchung heute nur noch
Stunden - zu wenig Zeit, um den Virus zu analysieren,
Antiviren-Software entsprechend zu modifizieren und zu verteilen.
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Dr. Oliver Diedrich (c't-Redaktion)
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