Digitale Kommmunikationswege verändern Etikette
E-Mails angenehmer als Telefonanrufe
Hannover, 31. Mai 2000 - Der Einsatz digitaler
Kommunikationsmittel wirkt sich bereits auf die Etikette aus.
Unangemeldete Anrufe gelten in der US-Hightech-Branche
mittlerweile als Belästigung, schreibt das Computermagazin
c't in seiner aktuellen Ausgabe 12/2000.
Zwei Drittel aller US-Bürger ziehen Digitales jeder anderen
Zustellungsform vor und kommunizieren auch mit Freunden
und Verwandten lieber per E-Mail als per Telefon. Anderen
fernmündlich die eigene Zeit aufzuzwingen gilt zunehmend als
unfein. Wenn man genauso gut eine E-Mail schicken kann,
sollte man deshalb niemanden anrufen. E-Mails sind für den
Empfänger auch angenehmer als Faxe, da der Text problemlos
weiterverarbeitet werden kann.
Die Vielzahl neuer Techniken von Funktelefonaten über SMS,
E-Mails und Instant Messaging bis zum Chatten hat eine
Verwirrung der Verkehrsformen erzeugt. Doch das Fehlen
sozialer Normen macht sich bemerkbar. Weltweit formiert sich
Widerstand gegen das Kommunikationschaos.
Ob Buchdruck oder Schreibmaschine, ob Telegraf oder Telefon:
Jede neue Kommunikationstechnik löst früher oder später
Debatten um ihren sozialen Gebrauch aus. So wie es zum
Anfang des Buchdrucks einem Affront glich, einem Mann von
Stand ein gedrucktes Buch zu offerieren, galt es Mitte der 90er
in den USA noch als unfein, Geburtstags- oder Festtagswünsche
per E-Mail zu versenden. Mittlerweile sind virtuelle Grüße
jedoch völlig akzeptabel.
Digitale Kommunikation verändert gleichzeitig das Verhalten
der Nutzer. Untersuchungen zeigen, dass Onliner jedweder
Nationalität dazu neigen, in ihren E-Mails direkter und
aufrichtiger zu sein als sonst im beruflichen und privaten
Alltag. Wissenschaftler beobachten eine Absenkung der
Hemmschwelle, die dem Verhalten Maskierter im Karneval
gleicht. E-Mail erfordert jedoch wegen der Dauerhaftigkeit
ein größeres Maß an Vorsicht. Bereits in fünf Prozent aller
US-Verfahren werden E-Mails als Beweismittel herangezogen.
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